Jeanette, Integriertes Design, HS Anhalt

14.08.2017 - 10:36

Jeanette - Integriertes Design - Sauberkasten

Eine saubere Sache! Von der Designstudentin zum Social Entrepreneur - wie man mit einer Bachelorarbeit ein Start Up gründen kann.

Im Interview mit Jeanette erfährst Du

  • Wie das Studium Integriertes Design in Dessau aussieht
  • Warum es sich lohnt zu studieren
  • Wie man eine Projektaufgabe im Studium bearbeitet
  • Tipps für Studienanfänger
  • Wie eine Bachelorarbeit zum Thema nachhaltiger Alltag entsteht
  • Wie man sich als Designer selbstständig machen kann
  • Warum es schön ist Designerin zu sein

Stell Dich doch bitte kurz vor!
Hey, ich bin Jeanette. Ich habe in Dessau Integriertes Design studiert und mache gerade meinen Master. Der Studiengang heißt Intermediales Design.

Was hast Du Dir vor Beginn unter Deinem Studium vorgestellt? Haben sich Deine Erwartungen erfüllt?
Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht und danach das Vorstudium an der Leipzig School Of Design. Meine Erwartungen an das Studium waren, dass ich meine Kenntnisse aus der Ausbildung vertiefen kann. Das wurde natürlich erfüllt. Darüber hinaus passierte jedoch viel mehr! Ich habe erfahren was Design eigentlich bedeutet. Es geht nicht darum Sachen schöner zu machen oder aufzuhübschen, sondern Design ist viel mehr.
Design kann Lösungen für Probleme finden. Ich fand schön, das das meine Erwartungen übertroffen hat.

Was war der Inhalt Deines Bachelorstudiums und was hast Du im Masterstudium gemacht?
Im Studiengang Integriertes Design in Dessau gibt es die 3 Fachbereiche 2D, 3D und 4D – also Kommunikationsdesign, Produktdesign und zeitbasierte Medien. Ich habe mich auf 2D spezialisiert und viele Kurse gewählt, die Kommunikationsdesign und Fotografie abgedeckt haben. Aus den angebotenen Kursen kann sich jeder Student seine bevorzugten Kurse auswählen.
Im Masterstudium ist alles ein bisschen konzeptlastiger. D.h. man sucht bewußt nach Fragestellungen und versucht diese zunächst theoretisch und dann mit einem Designansatz zu lösen. Ich habe mich auf den Bereich Social Design spezialisiert.

Was hat Dir Deine Zeit an der LSOD gebracht?
In der Ausbildung zum Mediengestalter lernt man viele Regeln: Wie muss man gestalten? Was darf man und was nicht? Und auch an der Berufsschule bekommt man viele Grenzen und Schranken im Kopf. Die LSOD hat mir diese Schranken geöffnet. Ich bin freier geworden im Kopf. Das hat mir für das Studium viel gebracht.

Was hat Dir im Studium besonders gefallen und warum?
Was ich besonders cool fand waren die Kurzprojekte. Sie fanden immer am Anfang des Semesters statt und laufen 1-2 Wochen. Man konzentriert sich während dieser Zeit nur auf ein Thema und Projekt. Das hat mir immer viel Spaß gemacht. Einmal haben wir z.B. eine Woche lang einen Stop-Motion-Film gemacht oder Poster gestaltet.
Auch das Arbeiten an meiner Bachelorarbeit hat mir besonders gefallen. Das war ein besonderes Projekt. 10 Wochen lang konnte ich mich auf ein Thema konzentrieren. Das war – um ehrlich zu sein – das schönste Semester, das ich hatte. Es war zwar auch sehr anstrengend und irgendwann konnte ich es nicht mehr sehen. Aber dadurch, dass man nicht abgelenkt ist, kann man sich tief hineindenken, sodass auch etwas schönes entstehen kann.

Erzähl uns doch etwas über Deine Bachelorarbeit!
Meine Bachelor-Thesis stellte die Frage, wie ich mehr Nachhaltigkeit in meinen Alltag bekomme. Nachhaltigkeit das ist ein riesiges Themenfeld. Ich wollte gern etwas zum Thema Umwelt und Nachhaltig machen, wußte aber nicht, wo fang ich an. Meine Professorin riet mir dann, bei mir selbst anzufangen. Untersuch doch mal eine Woche lang deinen Alltag. Das hab ich gemacht und mir notiert, was ich so mache und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Mir ist aufgefallen beim Thema Ernährung oder Kleidung, dass ich darauf achte, was ich benutze. Aber im Haushalt, beim Wohnungsputz da nimmt man irgendwas und versucht es ganz schnell zu erledigen und macht sich keine Gedanken, welche Mittel man eigentlich benutzt.
Ich hab mich dann damit beschäftigt, was ist eigentlich in unseren Reinigungsmitteln drin? Ich habe festgestellt, dass viele Schadstoffe enthalten sind, die uns krank machen und vor allem die Umwelt belasten. Daraufhin habe ich nach Lösungen gesucht. Was kann ich dagegen tun?
Und so ist der Sauberkasten entstanden. Das ist meine Bachelorarbeit.

Startnext Sauberkasten.com

Welches Wissen aus Deinem Studium ist in das Produkt eingeflossen?
Zuerst habe ich das Konzept entwickelt. Also überlegt: „Wo ist das Problem?“ und „Ich brauche dafür eine Lösung“. Nachdem ich das Konzept ausgefeilt und getestet habe, kann ich mir überlegen „Wie sieht das Produkt aus?“ und „Wie wird das Produkt benutzerfreundlich?“.
Ich habe z.B. die ganzen Etiketten für die Reiniger gestaltet und überlegt „Was muss da draufstehen?“ Es stehen die Rezepte drauf, damit ich ganz einfach nachmischen kann. Das sindÜberlegungen, die braucht es einfach, damit das Produkt rund wird.

Welche Tipps hast Du für Studienanfänger?
Ich empfehle jedem eine Ausbildung vorher zu machen. Es hat mir sehr geholfen.

Warum?
Weil man im Studium nicht bei Null anfängt und die Kurse, die im Studium angeboten werden, nutzen kann. Wenn ich noch keine Vorkenntnisse habe, dann muss ich mich erst reindenken. Ich habe bei anderen Kommilitonen gesehen, die bei Null angefangen haben, dass es nicht so einfach für sie war.
Wenn es um die Kurswahl geht, dann ist mein Tipp über den Tellerrand zu schauen und nicht nur die Kurse zu wählen, auf die man sich spezialisiert. Im Nachhinein denke ich, ich hätte auch ein paar Kurse wählen sollen, die mich nicht so interessieren und einfach ein wenig die Fühler auszustrecken. Also offen für alles zu sein.

Woran arbeitest Du gerade?
Ich arbeite gerade am Sauberkasten, also an meiner Bachelorarbeit. Ich habe sie sehr gut abgeschlossen und viele Leute haben mich darauf angesprochen, ob man den Kasten auch kaufen kann. Ich habe das Projekt erstmal ein halbes Jahr ruhen lassen und war froh nach 10 Wochen Arbeit eine Pause zu haben.
Trotzdem ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass die Leute Interesse daran haben. Was mach ich jetzt damit? Es wär doch schade, wenn dieses Produkt in der Schublade bleibt, so wie das bei vielen Studienprojekten ist. Es sind tolle Projekte und sie werden maximal noch zu einem Preis eingereicht und dann war´s das und niemand verfolgt es mehr. Das ist schade.
Ich habe mich in Leipzig beim Social Impact Lab beworben. Sie unterstützten soziale Gründer und vergeben 8-monatige Stipendien. Ich habe mich dort beworben, bin durch mehrere Bewerbungsphasen gegangen und habe solch ein Stipendium bekommen!
Mit diesem Stipendium hatte ich die Chance zu lernen ein Unternehmen aufzubauen und was es heißt zu gründen. Ich habe in 8 Monaten ganz viele Workshops mitnehmen können und versuche gerade den Sauberkasten auf den Markt zu bringen. (Du möchtest das Projekt unterstützen? Das kannst Du hier: )

Was treibt Dich im Leben an? Was inspiriert dich?
Ich finde es schön, dass ich in meinem Beruf als Designerin etwas sinnvolles erreichen kann. Nicht nur die Welt verschönern, sondern auch was Sinnvolles zu hinterlassen.

Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?
Wahrscheinlich habe ich ein eigenes kleines Unternehmen. Ein kleines Designbüro vielleicht. Irgendwo draußen im Grünen mit meinem Computer. Keine Ahnung ich weiß es nicht. Ich plane es nicht so genau.

Wir wünschen Dir auf alle Fälle viel Erfolg für Deine Projekte! Herzlichen Dank für das Interview!

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